Auswertung der Daten der Geschwindigkeitsmessungen

Im Herbst 2019 hat die CDU-Fraktion den Antrag eingebracht, zukünftig die Daten der Geschwindigkeitsüberwachung mit den sogenannten "Smileys" für alle Bürger online zu stellen. Ein Dreivierteljahr später haben wir uns angeschaut, welche Daten bislang veröffentlicht wurden und was sich daraus über den Verkehr in unseren drei Ortsteilen sagen lässt.

 

Zuallererst lässt sich feststellen: Ganz so einfach ist ein vergleichender Blick auf alle Messungen gar nicht. Jede Messung liegt nur als eigenes PDF-Dokument vor, die Daten müssen recht mühsam herauskopiert und in Excel eingepflegt werden, um gemeinsam betrachtet zu werden.

Zum anderen fällt auf, dass nur wenige Daten zur Verfügung stehen. Nach den veröffentlichten Daten wurden seit August 2019 lediglich 11 Messungen durchgeführt. Davon 5 in Büttelborn und jeweils 3 in Klein-Gerau und Worfelden. Die Ringstraße wurde als einzige Straße bislang zweimal an unterschiedlichen Tagen gemessen. Durchschnittlich wurde 10 Tage an jeder Stelle gemessen. Da zwei Smileys parallel betrieben werden können, wären in dieser Zeit bis zum Juni 2020 also gut 50 Messungen möglich gewesen. Lediglich an 20% der möglichen Messtage wurde somit auch gemessen oder aber die weiteren Messungen wurden zumindest nicht veröffentlicht.

Die von der CDU aufbereiteten Daten können rechts unter "Zusatzinformationen" heruntergeladen werden. Die Daten enthalten immer die Angabe, von welchem Tag an bis zu welchem Tag die Messung stattfand. Außerdem gibt es die Messergebnisse für den gesamten Tag mit allen 24 Stunden (00:00-24:00 Uhr), für die Nacht (00:00-06:00 Uhr), für den Tag (06:00-22:00 Uhr) sowie den Morgen (06:00-09:00 Uhr) und den Abend (15:00-19:00 Uhr). Die Ganztagesauswertungen von 0 Uhr bis 24 Uhr sind fett hinterlegt.

Alle Auswertungen sind ohne Gewähr und basieren nur auf den öffentlich einsehbaren Daten. Für die Richtigkeit der Daten und eine technisch korrekte Messung kann die CDU nicht garantieren, dies liegt in Verantwortung des Ordnungsamts.

Für jede Messung zu jeder Uhrzeit gibt es zwei Datensätze, "kommend" und "gehend". Welche Richtungen dies jeweils betrifft ist, nicht eindeutig bestimmbar, da der genaue Standort und die Ausrichtung des Smileys leider nicht in den Daten vermerkt sind. Außerdem erklären die von der Verwaltung bereitgestellten Daten nicht, an welchen Tagen „kommend“ und an welchen Tagen „gehend“ gemessen wurde. Für den Gesamtzeitraum und die Relation „Fahrzeuge pro Stunde“ wurden die Daten daher addiert und gemeinsam ausgewertet. Die Einzeldaten können über den Filter in der Spalte G „Richtung“ eingeblendet und ebenfalls betrachtet werden.

Die vorliegenden Daten lassen zwei Auswertungen zu. Die Auswertung der Verkehrsbelastung, also wie viele Autos eine Straße passieren, und die Auswertung der Geschwindigkeitsübertretungen.

Verkehrsbelastung

Die höchste Belastung an Fahrzeugen pro Stunde weisen die Taunusstraße und die Geschwister-Scholl-Straße jeweils zwischen 15 Uhr und 19 Uhr aus. Die Taunusstraße ist eine Umgehungsstraße, die Geschwister-Scholl-Straße ein (wenn nicht der!) wesentlicher Einfahrtpunkt in das Neubaugebiet "Grüner Weg". Dies führt dazu, dass am frühen Abend etwa 145 Fahrzeuge pro Stunde die Geschwister-Scholl-Straße und ebenso die Taunusstraße in eine der beiden Richtungen befahren. Dies entspricht in etwa zwei Fahrzeugen pro Minute.

Die Trift in Worfelden passieren in der Rushhour am frühen Abend immerhin etwas mehr als 60 Autos pro Stunde, also ein Auto pro Minute. Hält man sich die Situation des ruhenden Verkehrs an der Trift und die generelle Enge der Straße vor Augen, ist das ein durchaus bemerkenswerter Wert. Für verkehrslenkende Maßnahmen wären hier aber Vergleichsdaten der Alternativstrecken Im Espenloh und Hermann-Schmitt-Straße (Neubaugebiet) notwendig.

Geschwindigkeitsübertretungen

Die Fahrzeuge werden in der Auswertung der Smileys in Geschwindigkeitsklassen eingeteilt. Die Geschwindigkeitsklasse 40 beinhaltet alle Fahrzeuge, die zwischen 31 und 40 km/h gemessen wurden. Will man nun die wesentlichen Geschwindigkeitsübertretungen feststellen, so kann man beispielsweise in einer 30er Zone (die meisten Messungen fanden in 30er Zonen statt) alle Fahrzeuge der Geschwindigkeitsklassen 50, 60, 70 usw. zusammenzählen. Die Geschwindigkeitsklasse 40 enthält Fahrzeuge, die möglicherweise nur ein oder zwei km/h zu schnell gefahren sind und sollte daher nicht in die Analyse einbezogen werden. In 50er Zonen (wie der Taunusstraße) werden entsprechend die Fahrzeuge ab Geschwindigkeitsklasse 70 gezählt, in Spielstraßen (Staufenbergstraße, Thüringer Weg) die Fahrzeuge ab Geschwindigkeitsklasse 30.

Sicherlich können diese Grenzen noch strenger definiert werden, diese Zählweise stellt aber sicher, dass nur Fahrzeuge gezählt werden, die die zulässige Höchstgeschwindigkeit definitiv deutlich überschritten haben.

Schaut man sich an, welcher Anteil an Fahrzeugen in einer Straße zu schnell fährt, fallen besonders die deutlichen Unterschiede zwischen "kommenden" und "gehenden" Fahrzeugen in einigen Straßen auf. So überschreiten 20% aller "kommenden" Fahrzeuge (wobei die Richtung leider nicht geklärt werden kann) im Erzgraben die Geschwindigkeit, aber nur 3% der "gehenden" Fahrzeuge. Ganz ähnlich sieht es in der Erich-Kästner-Straße aus (20% zu 7%). Noch gravierender ist es in der Geschwister-Scholl-Straße, in der 62% (!!!) der kommenden Fahrzeuge die Geschwindigkeit überschreiten, aber "nur" 18% der gehenden Fahrzeuge. Richtungsunabhängig überschreiten damit im Durchschnitt fast 40% der Fahrzeuge auf der Geschwister-Scholl-Straße die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Damit ist die Geschwister-Scholl-Straße trauriger Spitzenreiter. Häufige Überschreitungen gibt es auch in den beiden gemessenen Spielstraßen, wobei hier der Thüringer Weg heraussticht, und zwar in beide Richtungen.

Fazit

Was lässt sich nun aus diesem schnellen Blick auf die Messdaten ableiten? Aus Sicht der CDU ergeben sich mindestens die folgenden Forderungen:

·        Häufigere Messungen: Die beiden vorhandenen Smileys werden zu selten eingesetzt. Notwendig ist ein möglichst lückenloser Einsatz, d.h. mit Auf- und Abbau sollte es möglich sein, im Zwei-Wochen-Rhythmus jeweils zwei Straßen gleichzeitig zu messen. Damit ließe sich die Zahl der Messungen nach drei Monaten im Vergleich zum jetzigen Stand schon verdoppeln. Nach einem Jahr hätte man ein weitgehend geschlossenes Bild aller Ortsteile.

·        Gezielte Messungen: Abgeleitet aus den jetzigen Messergebnissen sollten gezielt Ausweichstraßen (siehe An der Trift) gemessen werden, um Verkehrsströme und -schwerpunkte ableiten zu können.

·      Schwerpunktmaßnahmen: Trotz der geringen Zahl an Messungen lassen sich jetzt schon Problembereiche identifizieren. Dazu gehören mit Sicherheit die Geschwister-Scholl-Straße mit hoher Verkehrsbelastung und sehr häufiger Geschwindigkeitsüberschreitung. Aber auch der Thüringer Weg, gerade wegen seiner sensiblen Lage am Kindergarten. Die CDU wünscht sich hier den Einsatz eines mobilen Blitzers und im Fall der Geschwister-Scholl-Straße verkehrsplanerische Überlegungen, wie der Verkehrsfluss hier besser gelenkt und die Geschwindigkeit verringert werden kann (Verkehrsinseln, seitliche Fahrbahnverengung o.Ä.)

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